Die Ausschüttungsquote sagt dir, wie viel vom Gewinn als Dividende an die Aktionäre geht. Wir haben nachgezählt, was das in der Praxis bedeutet: Lag die Quote unter 60 %, wurde die Dividende in den zwei Jahren danach nur in 6,95 % der Fälle gekürzt. Zwischen 80 und 100 % traf es schon jede fünfte Aktie (20,28 %), über 100 % fast jede dritte (29,88 %). Eng wird es also ab etwa 80 %.
Wenn ich mir eine Dividendenaktie anschaue, ist die Rendite die erste Zahl, die ins Auge springt. Die zweite, die ich mir immer ansehe, ist die Ausschüttungsquote. Denn eine hohe Rendite nützt dir nichts, wenn das Unternehmen sie sich eigentlich nicht leisten kann. Nur: Ab welcher Quote wird es wirklich gefährlich? Die üblichen Faustregeln („bis 60 % ist gut“) liest man überall, belegt werden sie fast nie. Also haben wir nachgezählt.
So rechnest du die Ausschüttungsquote
Die Formel ist schnell erklärt:
Dividende 5,92 $ im Jahr, Gewinn der letzten zwölf Monate 7,68 $ je Aktie.
(5,92 ÷ 7,68) × 100 = 77,08 %
Bei PepsiCo gehen also 77,08 % des Gewinns an die Aktionäre, 22,92 % bleiben im Unternehmen. Und genau dieser Rest ist dein Sicherheitspolster: Fällt der Gewinn in einem schlechten Jahr, kann die Dividende trotzdem weiter fließen. Probier es selbst aus, die Zahlen sind schon eingetragen:
Was 11.451 Geschäftsjahre über die Quote verraten
Für diese Frage haben wir 889 US-Aktien aus unserer Datenbank genommen und für jedes Geschäftsjahr von 2006 bis 2023 zwei Dinge nebeneinandergelegt: die Ausschüttungsquote und die Frage, ob die Dividende in den zwei folgenden Jahren gekürzt wurde. Als Kürzung zählt alles ab 10 % weniger Jahresdividende, auch das komplette Aussetzen. Das ergibt 11.451 Fälle, in 1.250 davon wurde gekürzt.
- Verlust668 Geschäftsjahre30,84 %
- 0 bis 40 %6.205 Geschäftsjahre6,45 %
- 40 bis 60 %2.310 Geschäftsjahre8,31 %
- 60 bis 80 %1.014 Geschäftsjahre11,74 %
- 80 bis 100 %434 Geschäftsjahre20,28 %
- 100 bis 150 %380 Geschäftsjahre31,05 %
- über 150 %440 Geschäftsjahre28,86 %
Die Treppe ist erstaunlich sauber. Bis 60 % ist das Risiko gering und steigt kaum. Zwischen 60 und 80 % zieht es leicht an. Ab 80 % verdoppelt es sich, und über 100 % ist fast jede dritte Dividende innerhalb von zwei Jahren gekürzt worden. Schreibt ein Unternehmen Verluste und zahlt trotzdem, sieht es ähnlich aus: 30,84 %.
Wichtig ist auch, was die Grafik nicht sagt. Eine Quote von 90 % heißt nicht, dass die Kürzung kommt. Vier von fünf Unternehmen haben in dieser Lage weitergezahlt. Die Quote ist ein Warnlicht, kein Urteil. Sie sagt dir, wo du genauer hinschauen solltest. Wie sich die Quote über die Jahre bewegt hat, steht für jede Aktie in den Kennzahlen im Jahresvergleich, z. B. bei Coca-Cola.
Gewinn oder Cashflow: Was sagt mehr?
Viele Ratgeber behaupten: Der freie Cashflow ist der bessere Maßstab als der Gewinn, weil sich Gewinne leichter schönrechnen lassen. Unsere Daten sehen das differenzierter. Wir haben beide Quoten kombiniert:
| Lage im Geschäftsjahr | Fälle | danach gekürzt |
|---|---|---|
| Gewinn- und Cashflow-Quote beide unter 60 % | 6.716 | 6,40 % |
| beide zwischen 60 und 100 % | 337 | 19,58 % |
| Gewinn über 100 % oder Verlust, Cashflow unter 80 % | 758 | 25,07 % |
| Gewinn unter 80 %, Cashflow über 100 % oder negativ | 1.631 | 8,95 % |
| beide über 100 % oder negativ | 635 | 35,75 % |
Die interessanteste Zeile ist die vierte: Deckt der Gewinn die Dividende gut, der freie Cashflow aber nicht, wurde danach kaum häufiger gekürzt als bei völlig unauffälligen Aktien. Der Grund liegt meist in großen Investitionen. Baut ein Unternehmen eine neue Fabrik, drückt das den Cashflow für ein, zwei Jahre, ohne dass das Geschäft schwächer wird. Umgekehrt ist ein schwacher Gewinn bei ordentlichem Cashflow deutlich öfter der Vorbote einer Kürzung.
Heißt das, den Cashflow kannst du vergessen? Nein. Am gefährlichsten ist es, wenn beide Quoten über 100 % liegen: Dann wurde in 35,75 % der Fälle gekürzt. Schau also auf beide, aber gib dem Gewinn im Zweifel das größere Gewicht, und frag nach, warum der Cashflow gerade knapp ist. Warum das so ist, zeigen die Fälle 3M und NextEra im Artikel Freier Cashflow oder Gewinn.
Wenn die Krise kommt
In ruhigen Jahren wie 2013 bis 2017 lag die Kürzungsrate über alle Aktien zwischen 5,70 % und 8,80 %. Wer dagegen auf die Geschäftsjahre 2007 und 2008 blickt, also direkt vor der Finanzkrise, findet 22,80 % und 24,20 %. Vor Corona (2018 und 2019) waren es rund 16,80 %.
Das zeigt, wofür das Polster eigentlich da ist. In normalen Jahren kommen auch Unternehmen mit hoher Quote irgendwie durch. Erst wenn der Gewinn in einer Rezession um 30 oder 40 % einbricht, trennt sich das Feld: Wer vorher 50 % ausgeschüttet hat, kann weiterzahlen. Wer schon bei 90 % war, muss kürzen.
Wo die Quote in die Irre führt
Bei manchen Branchen misst die Gewinn-Quote schlicht das Falsche. Dort brauchst du eine andere Brille:
REITs: FFO statt Gewinn
BDCs: Nettozinsertrag statt Gewinn
Versorger: Cashflow-Quote ignorieren
Banken und Versicherer: kein freier Cashflow
Wo die Aktien in unserer Datenbank heute stehen
Und wie sieht es jetzt gerade aus? Von den 1.439 Dividendenaktien in unserer Datenbank (ohne REITs und BDCs) schütten 1.065 weniger als 60 % ihres Gewinns aus. Bei 123 liegt die Quote über 100 %.
Darunter sind auch bekannte Namen. Die größten Unternehmen, die derzeit mehr ausschütten, als sie verdienen:
| Aktie | Quote (Gewinn) | über 3 Jahre |
|---|---|---|
| AbbVie | 191,39 % | 248,47 % |
| Merck | 261,77 % | 64,95 % |
| Nestlé | 107,21 % | 75,55 % |
| Pfizer | 226,12 % | 159,35 % |
| Starbucks | 142,50 % | 79,99 % |
| Enbridge | 117,68 % | 128,25 % |
| Enel | 117,75 % | 110,57 % |
| Sanofi | 124,56 % | 74,06 % |
Meine drei Faustregeln
Aus all dem mache ich für mich drei einfache Regeln. Sie ersetzen keine Analyse, aber sie sortieren schnell:
Unter 60 %: entspannt
60 bis 80 %: normal, aber mit Blick auf die Branche
Über 80 %: erst die Frage nach dem Warum
Häufige Fragen zur Ausschüttungsquote
Welche Ausschüttungsquote ist gut?
Warum schüttet ein Unternehmen mehr aus, als es verdient?
Ist eine niedrige Quote immer besser?
Wo finde ich die Ausschüttungsquote einer Aktie?

Ringo Dühmke investiert seit 2001 an der Börse und konzentriert sich seit 2014 auf Dividendenaktien. Im Mittelpunkt seiner Strategie stehen solide Geschäftsmodelle, attraktive Bewertungen und verlässliche Ausschüttungen. Mit seiner Erfahrung aus über 25 Jahren Unternehmertum hat er mit Dividenden.com die Plattform entwickelt, die er sich als Anleger selbst gewünscht hat: Daten, Analysen und Werkzeuge für den langfristigen Aufbau eines Dividendendepots.
So rechnet Dividenden.com