Bevor du deine erste Dividendenaktie kaufst, beantworte zehn Fragen: Verstehst du das Geschäft? Liegt die Rendite im Rahmen der Branche und über ihrem eigenen Durchschnitt? Ist die Dividende durch Gewinn und Cashflow gedeckt, sind die Schulden tragbar, wurde sie über Jahre gesteigert? Wie viel Quellensteuer fällt an, und passt die Position in dein Depot? Die Checkliste unten beantwortet die meisten dieser Fragen für jede Aktie mit aktuellen Daten. Gekauft wird dann mit Limit an einem liquiden Börsenplatz.
Drei Fragen an dich selbst, bevor du eine Aktie auswählst
Die wichtigste Prüfung betrifft nicht die Aktie, sondern dich. Wer diese drei Fragen ehrlich beantwortet, verkauft später seltener im falschen Moment.
Drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeld, damit du nie verkaufen musst
Geld, das du in zwei Jahren brauchst, gehört nicht in Aktien
Laufendes Einkommen, wachsende Dividende oder beides
Die Checkliste mit Live-Prüfung
Die zehn Punkte unten sind für PepsiCo bereits mit den Daten von Dividenden.com ausgefüllt. Wähle darüber eine andere Aktie, und die Liste wertet sie neu aus. Grün heißt „passt“, Gelb „genauer ansehen“, Rot „Warnsignal“. Zwei Punkte kann dir keine Datenbank abnehmen, die stehen auf „selbst prüfen“. Hake ab, was du erledigt hast. Dein Browser merkt sich den Stand.
- 1.Verstehe ich, womit das Unternehmen sein Geld verdient? selbst prüfen
PepsiCo gehört zum Sektor Basiskonsumgüter. Kannst du in zwei Sätzen erklären, wer die Kunden sind und warum sie in zehn Jahren noch zahlen?
Wer das Geschäft nicht versteht, verkauft beim ersten Kursrutsch zum falschen Zeitpunkt. Die Kurzbeschreibung im Profil ist ein guter Anfang.
Profil öffnen → - 2.Liegt die Rendite im üblichen Rahmen der Branche? passt
4,71 % Rendite gegenüber 3,43 % im Median des Sektors Basiskonsumgüter.
Eine Rendite weit über dem Branchenüblichen ist oft ein Zeichen, dass der Markt an der Dividende zweifelt (Renditefalle).
Zur Renditefalle → - 3.Ist die Aktie gemessen an ihrer eigenen Vergangenheit günstig? passt
Rendite 4,71 %, Fünfjahresmedian 3,05 % (+54,20 %). Die Rendite liegt im obersten Fünftel der letzten fünf Jahre: günstig bewertet.
Wer zu einer historisch hohen Rendite kauft, bekommt für jeden Euro mehr Dividende, und das dauerhaft.
So funktioniert der Vergleich → - 4.Ist die Dividende durch das Ergebnis gedeckt? Warnsignal
Ausgeschüttet werden 74,88 % des Gewinns und 84,58 % des freien Cashflows der letzten zwölf Monate.
Eine Dividende, die dauerhaft nicht verdient wird, wird früher oder später gekürzt. Bis etwa 60 % bleibt Luft für schwache Jahre, über 80 % wird es eng.
- 5.Wie bewertet der Sicherheits-Score die Dividende? passt
Sicherheits-Score 60 von 100, Einstufung „solide“.
Der Score fasst Deckung, Verschuldung, Ertragstrend, Analystenerwartungen und die Dividendenhistorie in einer Zahl zusammen.
So entsteht der Score → - 6.Hat das Unternehmen seine Dividende über Jahre gesteigert? passt
Die Jahresdividende ist 43 Jahre in Folge gestiegen, genug für die Liste der Dividendenaristokraten.
Wer seine Dividende durch mehrere Krisen hindurch erhöht hat, nimmt sie ernst. Eine Garantie für die Zukunft ist das nicht.
Zu den Aristokraten → - 7.Sind die Schulden im Rahmen? genauer ansehen
Die Nettoschulden entsprechen dem 2,17-Fachen des operativen Jahresergebnisses (EBITDA). Bis etwa 2 gilt als komfortabel, über 3,5 als hoch.
Hohe Schulden werden in schwachen Jahren zuerst bedient, die Dividende kommt danach.
- 8.Wie viel Quellensteuer behält das Herkunftsland ein? passt
Das Herkunftsland (USA) behält 15,00 % ein, das wird vollständig auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet.
Mehr als 15 % Quellensteuer kostet Rendite oder Papierkram. Was netto ankommt, rechnet der Kaufrechner aus.
Netto nachrechnen → - 9.Wann und wie oft wird gezahlt? passt
Zahlungsrhythmus: vierteljährlich. Die nächste Zahlung ist noch nicht angekündigt.
Wer vor dem Ex-Tag kauft, bekommt die nächste Zahlung. Ein Grund zur Eile ist das nicht, denn der Kurs sinkt am Ex-Tag um die Dividende.
Ex-Tag erklärt → - 10.Passt die Position in mein Depot? selbst prüfen
Faustregel für den Anfang: keine Einzelaktie über 10 % des Depots, und die Ordergebühr sollte unter 1 % des Kaufbetrags bleiben, bei 1 € Gebühr also ab 100 € je Kauf.
Streuung schützt vor der einen Kürzung, die jedem Anleger einmal passiert. Das Depot zeigt, wie sich deine Einnahmen auf Titel, Länder und Monate verteilen.
Depot anlegen →
Die zehn Punkte erklärt
Warum gerade diese zehn? Jeder Punkt beantwortet eine Frage, an der Dividendenanlagen in der Praxis scheitern. Kurz erklärt, in der Reihenfolge der Liste:
1. Das Geschäft verstehen
Kaufe nur, was du erklären kannst. Wer weiß, warum ein Versicherer oder ein Getränkehersteller Jahr für Jahr Geld verdient, hält die Aktie auch dann, wenn der Kurs 30 % fällt. Wer es nicht weiß, verkauft genau dann.
2. und 3. Die Rendite doppelt einordnen
Erst gegen die Branche: Eine Rendite, die mehr als doppelt so hoch ist wie der Branchenmedian, ist verdächtig. Dann gegen die eigene Vergangenheit: Liegt die Rendite über ihrem Fünfjahresmedian, bekommst du mehr Dividende je Euro als üblich. Beides zusammen erklärt der Artikel Dividendenrendite berechnen.
4. bis 7. Kann das Unternehmen die Dividende dauerhaft zahlen?
Die Ausschüttungsquote zeigt, wie viel vom Gewinn und vom freien Cashflow an die Aktionäre geht. Die Verschuldung zeigt, wie viel Spielraum bleibt, wenn es schlechter läuft. Die Steigerungsserie zeigt, wie ernst das Management die Dividende in vergangenen Krisen genommen hat. Der Sicherheits-Score fasst diese Punkte in einer Zahl zusammen, ersetzt den Blick auf die Einzelwerte aber nicht.
8. Quellensteuer
Bei ausländischen Aktien behält das Herkunftsland einen Teil der Dividende ein. Bis 15 % rechnet die deutsche Bank ihn auf die Abgeltungsteuer an. Was darüber liegt, etwa bei der Schweiz mit 35 %, bekommst du nur per Antrag bei der ausländischen Steuerbehörde zurück. Für die erste Aktie ist ein Land ohne diesen Aufwand die bequemere Wahl.
9. und 10. Termine und Depotanteil
Wann gezahlt wird, ist für die Kaufentscheidung zweitrangig, denn der Kurs fällt am Ex-Tag um die Dividende (mehr dazu im Artikel Ex-Tag, Record Date, Zahltag). Wichtiger ist, wie groß die Position im Verhältnis zu deinem Depot wird. Mit einer einzigen Aktie ist jede Kürzung ein Totalausfall deines Einkommens, mit 15 bis 20 Titeln ein Ärgernis.
Der Kauf selbst: Broker, Börsenplatz, Limit
Steht die Entscheidung, bleibt die Technik. So kaufst du ohne unnötige Kosten:
Depot bei einem Broker mit niedrigen Gebühren
Freistellungsauftrag erteilen
Börsenplatz mit Umsatz wählen
Mit Limit kaufen, nicht „billigst“
Bei US-Aktien: Quellensteuer auf 15 % begrenzen
Nach dem Kauf
Die Arbeit ist mit dem Kauf nicht vorbei, aber sie wird kleiner. Drei Dinge reichen, um den Überblick zu behalten:
Position ins Depot eintragen
Rendite-Alarm für den Nachkauf setzen
Einmal im Jahr die Checkliste wiederholen
Häufige Fragen zur ersten Dividendenaktie
Einzelaktie oder Dividenden-ETF für den Anfang?
Sollte die erste Aktie eine deutsche sein?
Wann ist der beste Zeitpunkt zum Kaufen?
Was mache ich, wenn die Aktie nach dem Kauf fällt?

Ringo Dühmke investiert seit 2001 an der Börse und konzentriert sich seit 2014 auf Dividendenaktien. Im Mittelpunkt seiner Strategie stehen solide Geschäftsmodelle, attraktive Bewertungen und verlässliche Ausschüttungen. Mit seiner Erfahrung aus über 25 Jahren Unternehmertum hat er mit Dividenden.com die Plattform entwickelt, die er sich als Anleger selbst gewünscht hat: Daten, Analysen und Werkzeuge für den langfristigen Aufbau eines Dividendendepots.
So rechnet Dividenden.com