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Dividendenstrategieca. 11 Min. Lesezeitgeprüft am 22.09.2026

Klumpenrisiko im Dividendendepot

Warum Kürzungen in Wellen kommen und wie du dein Einkommen breiter aufstellst

Dividendenkürzungen kommen selten allein, sondern branchen- und länderweise: 2009 sank das Dividendeneinkommen der Finanzwerte um 29 %, 2020 das von Energie und britischen Aktien um 25 bis 29 %. Unsere Auswertung von 20 Jahren zeigt, wo die Klumpen liegen und wie du sie auflöst, gemessen am Einkommen statt am Depotwert.

Ringo Dühmke, Gründer von Dividenden.com

Seit 2001 an der Börse, seit 2014 mit einer konsequenten Dividendenstrategie. Lebt heute vom Dividenden-Cashflow seines Depots und hat Dividenden.com gegründet.

Kurze Antwort

Ein Klumpenrisiko hast du, wenn ein großer Teil deiner Dividenden von einer Aktie, einer Branche oder einem Land abhängt. Das Problem: Kürzungen kommen in Wellen. 2009 sank das Dividendeneinkommen der Finanzwerte um 28,6 %, 2020 das der Energiewerte um 25,1 % und das britischer Aktien um 29,4 %, während der Gesamtmarkt mit −12 % und −8,2 % davonkam. Versorger, Gesundheit und Basiskonsum blieben selbst im schlimmsten Jahr fast stabil. Miss deine Klumpen deshalb am Anteil am Einkommen, nicht am Depotwert, und mische Branchen, die nicht gemeinsam kürzen.

Wer ein paar Jahre Dividendenaktien kauft, stellt irgendwann fest, dass sich das Depot nicht so gebaut hat, wie es geplant war. Eine Bank hier, ein Ölkonzern dort, die dritte Versicherung, weil die Rendite so schön war. Jede einzelne Entscheidung war nachvollziehbar, zusammen ergeben sie einen Klumpen. Wir haben 20 Jahre Dividendendaten ausgewertet, um zu zeigen, welche Klumpen wirklich gefährlich sind.

Was Klumpenrisiko im Dividendendepot bedeutet

In einem Wachstumsdepot heißt Klumpenrisiko: Fällt eine große Position, fällt das ganze Depot. Im Dividendendepot kommt eine zweite Ebene dazu, das Einkommen. Wenn du von deinen Dividenden leben oder mit ihnen planen willst, ist nicht der Kurssturz das Problem, sondern die Kürzung, die mehrere deiner Zahler gleichzeitig trifft.

Einzelne Aktie

Eine Aktie liefert einen großen Teil deiner Dividenden

Branche

Mehrere Aktien hängen am selben Geschäft und kürzen gemeinsam

Land und Währung

Ein Staat, eine Aufsicht oder eine Währung trifft alle auf einmal

Am Einkommen messen, nicht am Depotwert

Die meisten Depotübersichten zeigen Anteile am Depotwert. Für ein Dividendendepot ist das die falsche Brille. Stell dir zehn gleich große Positionen vor, neun mit 3 % Rendite und eine mit 8 %. Am Depotwert hat jede 10 %. Am Einkommen trägt die eine Hochrendite-Aktie aber 22,9 % bei, fast ein Viertel. Kürzt sie ihre Dividende, spürst du das mehr als doppelt so stark, wie die Depotübersicht vermuten lässt.

Was eine einzelne Kürzung kostet, hängt dann nur noch von der Zahl der gleich gewichteten Zahler ab:

Was eine halbierte Dividende dein Einkommen kostet
Eine Aktie halbiert ihre Dividende, alle Positionen tragen gleich viel zum Einkommen bei.
  1. 5 Dividendenzahlerjeder trägt 20 % zum Einkommen bei−10 %
  2. 10 Dividendenzahlerjeder trägt 10 % zum Einkommen bei−5 %
  3. 20 Dividendenzahlerjeder trägt 5 % zum Einkommen bei−2,5 %
  4. 30 Dividendenzahlerjeder trägt 3,3 % zum Einkommen bei−1,7 %
Rechnung von Dividenden.com.

Ab etwa 20 Zahlern ist eine einzelne Kürzung ärgerlich, aber verkraftbar. Die Depot-Analyse von Dividenden.com markiert deshalb jede Aktie, die mehr als 10 % zum Depot beiträgt. Die viel größere Gefahr sind aber nicht Einzelfälle, sondern Kürzungen, die gleichzeitig kommen.

Kürzungen kommen in Wellen

Für die Auswertung haben wir für jede Aktie in unserer Datenbank die laufende Dividende zum Jahresende mit der des Vorjahres verglichen, von 2006 bis 2025, zusammen 25.444 Aktien-Jahre. Als Kürzung zählt ein Rückgang um mindestens 20 % oder eine gestrichene Dividende. Das Raster zeigt, wie viel Prozent der Zahler einer Branche in welchem Jahr gekürzt haben:

Kürzungswellen: Anteil der Zahler mit Kürzung, je Branche und Jahr
Kürzung = laufende Dividende zum Jahresende mindestens 20 % unter dem Vorjahr oder gestrichen. Graue Felder: weniger als 30 Titel.
unter 8 % 8 bis 15 % 15 bis 25 % 25 bis 40 % ab 40 %
’06’07’08’09’10’11’12’13’14’15’16’17’18’19’20’21’22’23’24’25
Alle Aktien451126766115774552285655
Zyklischer Konsum4416304721034312646175848
Energie2461711441321430368461239117
Immobilien (REITs)3421456610103464332912512710
Finanzen551643878115644651958523
Technologie32122985121131086441273252
Rohstoffe841025114514798356162971411
Industrie456171195138666542373531
Kommunikation331917357167271081020132657
Basiskonsumgüter455526318310121651154558
Gesundheit256132523051111844185
Versorger010487396652634424143
Eigene Auswertung von Dividenden.com, alle Dividendenaktien der Datenbank weltweit, 2006 bis 2025. Nur heute noch geführte Unternehmen.

In normalen Jahren kürzen meist 4 bis 7 % aller Zahler. Dann kommen die roten Spalten: 25,6 % im Jahr 2009 und 21,8 % im Jahr 2020. Und selbst dann ist das Rot nicht gleich verteilt. 2009 traf es vor allem Finanzwerte und Immobilien, 2020 Energie und zyklischen Konsum, dazwischen 2016 die Energiebranche nach dem Ölpreisverfall ganz allein. Wer in diesen Branchen gebündelt war, erlebte eine ganz andere Krise als der Durchschnitt.

Das schlimmste Jahr je Branche

Das Raster zählt Kürzungen. Für dein Einkommen zählt, um wie viel die Dividenden insgesamt gesunken sind, Erhöhungen anderer Zahler eingerechnet. So viel Einkommen verlor ein gleich gewichteter Korb jeder Branche in ihrem schlimmsten Jahr:

Dividendeneinkommen je Branche im schlimmsten Jahr seit 2006
Gleich gewichteter Korb aller Zahler der Branche, laufende Dividende zum Jahresende gegen Vorjahr.
  1. Finanzen2009, 42,6 % der Zahler kürzten−28,6 %
  2. Zyklischer Konsum2020, 46,3 % der Zahler kürzten−25,2 %
  3. Energie2020, 46,2 % der Zahler kürzten−25,1 %
  4. Immobilien (REITs)2009, 44,9 % der Zahler kürzten−23,9 %
  5. Technologie2009, 29,4 % der Zahler kürzten−11,1 %
  6. Rohstoffe2009, 25 % der Zahler kürzten−10,7 %
  7. Industrie2020, 22,6 % der Zahler kürzten−9,2 %
  8. Kommunikation2009, 16,7 % der Zahler kürzten−8,4 %
  9. Basiskonsumgüter2016, 12,2 % der Zahler kürzten−2,9 %
  10. Gesundheit2020, 7,5 % der Zahler kürzten−0,6 %
  11. Versorger2007, 10,3 % der Zahler kürzten+1,6 %
Eigene Auswertung von Dividenden.com, 2006 bis 2025, Jahre mit mindestens 30 Titeln je Branche.

Die Spannweite ist enorm. Finanzwerte verloren 2009 28,6 % ihres Dividendeneinkommens, fast die Hälfte der Zahler kürzte. Energie traf es gleich zweimal, 2016 und 2020. Am anderen Ende stehen Versorger, deren schlimmstes Jahr (2007) immer noch ein Plus von 1,6 % brachte, Gesundheit mit −0,6 % (2020) und Basiskonsum mit −2,9 % (2016).

Was das für ein Depot heißt, zeigt eine einfache Rechnung. Ein Depot, das zu 40 % aus Finanzwerten bestand und sonst dem Markt glich, verlor 2009 rund 18,6 % seines Einkommens. Mit 10 % Finanzwerten waren es 13,6 %. Derselbe Markt, dieselbe Krise, aber ein ganz anderes Jahr für den Anleger.

Was die Zahlen nicht zeigen: In unserer Datenbank stehen nur Unternehmen, die es heute noch gibt. Banken, die 2008 und 2009 untergegangen oder übernommen worden sind, fehlen. Die echten Einbrüche der Krisenbranchen waren deshalb eher noch tiefer.

Auch Länder sind Klumpen

Dasselbe Bild zeigt sich zwischen Ländern. 2020 forderten die Europäische Zentralbank und die britische Bankenaufsicht die Banken auf, ihre Dividenden auszusetzen. Viele andere Unternehmen folgten, weil ihre Geschäfte im Lockdown stillstanden. Das schlimmste Jahr je Land:

Dividendeneinkommen je Land im schlimmsten Jahr seit 2006
Gleich gewichteter Korb aller Zahler mit Sitz im Land, laufende Dividende zum Jahresende gegen Vorjahr.
  1. ItalienItalien2009, 64,7 % der Zahler kürzten−45,5 %
  2. FrankreichFrankreich2020, 56,5 % der Zahler kürzten−31,7 %
  3. GroßbritannienGroßbritannien2020, 45,5 % der Zahler kürzten−29,4 %
  4. JapanJapan2009, 49,2 % der Zahler kürzten−25,9 %
  5. AustralienAustralien2020, 55,6 % der Zahler kürzten−25,8 %
  6. DeutschlandDeutschland2020, 31,9 % der Zahler kürzten−21,5 %
  7. HongkongHongkong2009, 33,3 % der Zahler kürzten−18,4 %
  8. USAUSA2009, 22,2 % der Zahler kürzten−11,9 %
  9. SchweizSchweiz2020, 18,9 % der Zahler kürzten−4,9 %
  10. KanadaKanada2009, 7,7 % der Zahler kürzten+0,5 %
Eigene Auswertung von Dividenden.com, 2006 bis 2025, Länder und Jahre mit mindestens 15 Titeln.

Italien, Frankreich und Großbritannien verloren in einem einzigen Jahr knapp ein Drittel bis fast die Hälfte ihres Dividendeneinkommens. Kanada dagegen kam in seinem schlimmsten Jahr (2009) auf +0,5 %. Ein Depot aus britischen Aktien, die man wegen der fehlenden Quellensteuer gern kauft, hatte 2020 also ein ganz anderes Jahr als ein gemischtes. Die Länderzahlen beruhen allerdings auf 15 bis 80 Unternehmen je Land und schwanken deshalb stärker als die der USA.

Die Falle der Renditeliste

Wie entstehen Klumpen? Oft ganz harmlos: Man sortiert eine Liste nach Dividendenrendite und kauft von oben. Das Problem ist, dass hohe Renditen nicht gleich über die Branchen verteilt sind. So sieht es heute aus, für die 50 renditestärksten Aktien ab 2 Mrd. € Börsenwert in unserer Datenbank (ab 7,5 % Rendite):

Branchen der 50 renditestärksten Aktien gegen alle Dividendenaktien
Anteil je Branche. Vergleich: alle 1.499 Dividendenaktien ab 2 Mrd. € Börsenwert.
50 renditestärkste alle Dividendenaktien
Finanzen40 %22 %
Immobilien (REITs)20 %7 %
Zyklischer Konsum10 %10 %
Basiskonsumgüter10 %6 %
Kommunikation8 %4 %
Rohstoffe6 %7 %
Industrie2 %18 %
Technologie2 %7 %
Versorger2 %6 %
Energie0 %6 %
Gesundheit0 %5 %
Live aus der Datenbank von Dividenden.com.

Allein die Branche Finanzen stellt 40 % der Spitze, obwohl die Branche nur 22 % aller Dividendenaktien ausmacht. Die drei häufigsten Branchen kommen zusammen auf 70 %. Wer nur nach Rendite kauft, baut sich also fast zwangsläufig einen Branchenklumpen, und zwar meist in genau den Branchen, die in Krisen gemeinsam kürzen. Wie du eine einzelne hohe Rendite prüfst, steht im Artikel Renditefalle erkennen.

Klumpen auflösen in fünf Schritten

1

Einkommen statt Depotwert messen

Schreib auf, wie viel jede Aktie, jede Branche und jedes Land zu deinen Dividenden beiträgt. Die Depot-Analyse von Dividenden.com rechnet beides nebeneinander.
2

Die Krisenbranchen zusammenzählen

Finanzwerte, Immobilien, Energie und zyklischer Konsum haben in den großen Krisen gemeinsam gekürzt. Addiere ihren Anteil an deinem Einkommen. Je höher er ist, desto mehr hängt dein Einkommen an der nächsten Welle.
3

Stabile Branchen als Anker

Versorger, Gesundheit und Basiskonsum haben ihr Dividendeneinkommen selbst im schlimmsten Jahr gehalten. Sie wachsen oft langsamer, federn aber genau die Jahre ab, in denen die anderen kürzen.
4

Mit neuem Geld umschichten, nicht mit Verkäufen

Statt eine übergewichtete Aktie zu verkaufen und auf den Gewinn Steuern zu zahlen, lenkst du Sparraten und Dividenden in die Branchen und Länder, die fehlen. Das dauert länger, kostet aber nichts.
5

Länder mischen, Quellensteuer mitrechnen

Mehrere Länder glätten Wellen wie 2020 in Europa. Rechne dabei mit der Rendite nach Quellensteuer, sonst wirkt ein Land attraktiver, als es netto ist. Zur Quellensteuer-Tabelle
Streuen heißt nicht verwässern: Es geht nicht darum, möglichst viele Aktien zu besitzen, sondern Zahler, die nicht aus demselben Grund kürzen. Zwanzig Banken aus fünf Ländern sind weniger gestreut als zehn Aktien aus zehn Branchen.

Häufige Fragen zum Klumpenrisiko

Wie viele Aktien braucht ein Dividendendepot?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Ab etwa 20 gleich gewichteten Zahlern kostet eine halbierte Dividende höchstens 2,5 % deines Einkommens. Wichtiger als die Zahl ist, dass sie aus verschiedenen Branchen und Ländern kommen.

Ab wann ist eine einzelne Aktie ein Klumpen?

Als Faustregel gilt: wenn sie mehr als 10 % zu deinem Depotwert oder deinem Dividendeneinkommen beiträgt. Bei Aktien mit hoher Rendite ist der Anteil am Einkommen oft deutlich größer als der am Depotwert.

Welche Branchen haben in Krisen am wenigsten gekürzt?

In unserer Auswertung von 2006 bis 2025 hielten Versorger, Gesundheit und Basiskonsumgüter ihr Dividendeneinkommen selbst im jeweils schlimmsten Jahr nahezu stabil. Am stärksten brachen Finanzwerte (2009), Energie und zyklischer Konsum (2020) sowie Immobilien (2009) ein.

Löst ein Dividenden-ETF das Klumpenrisiko?

Teilweise. Ein ETF streut über viele Unternehmen, aber viele Dividenden-ETFs wählen nach Rendite aus und landen deshalb ebenfalls schwer in Finanzwerten, Energie und Versorgern. Schau dir vor dem Kauf die Branchenverteilung an, sie steht auf jeder ETF-Seite von Dividenden.com unter „Länder und Sektoren“. Ob der Fonds ausschüttet oder thesauriert, ändert an der Streuung nichts. Was die beiden Arten unterscheidet, steht im Artikel Thesaurierend oder ausschüttend?
Ringo Dühmke
Ringo DühmkeGründer und Autor

Ringo Dühmke investiert seit 2001 an der Börse und konzentriert sich seit 2014 auf Dividendenaktien. Im Mittelpunkt seiner Strategie stehen solide Geschäftsmodelle, attraktive Bewertungen und verlässliche Ausschüttungen. Mit seiner Erfahrung aus über 25 Jahren Unternehmertum hat er mit Dividenden.com die Plattform entwickelt, die er sich als Anleger selbst gewünscht hat: Daten, Analysen und Werkzeuge für den langfristigen Aufbau eines Dividendendepots.

So rechnet Dividenden.com

Finde die Klumpen in deinem Depot

Die Depot-Analyse zeigt, aus welchen Branchen und Ländern deine Dividenden kommen und welche Aktien zu schwer wiegen. In der Aktienliste findest du passende Ergänzungen nach Branche.

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