Ein Klumpenrisiko hast du, wenn ein großer Teil deiner Dividenden von einer Aktie, einer Branche oder einem Land abhängt. Das Problem: Kürzungen kommen in Wellen. 2009 sank das Dividendeneinkommen der Finanzwerte um 28,6 %, 2020 das der Energiewerte um 25,1 % und das britischer Aktien um 29,4 %, während der Gesamtmarkt mit −12 % und −8,2 % davonkam. Versorger, Gesundheit und Basiskonsum blieben selbst im schlimmsten Jahr fast stabil. Miss deine Klumpen deshalb am Anteil am Einkommen, nicht am Depotwert, und mische Branchen, die nicht gemeinsam kürzen.
Wer ein paar Jahre Dividendenaktien kauft, stellt irgendwann fest, dass sich das Depot nicht so gebaut hat, wie es geplant war. Eine Bank hier, ein Ölkonzern dort, die dritte Versicherung, weil die Rendite so schön war. Jede einzelne Entscheidung war nachvollziehbar, zusammen ergeben sie einen Klumpen. Wir haben 20 Jahre Dividendendaten ausgewertet, um zu zeigen, welche Klumpen wirklich gefährlich sind.
Was Klumpenrisiko im Dividendendepot bedeutet
In einem Wachstumsdepot heißt Klumpenrisiko: Fällt eine große Position, fällt das ganze Depot. Im Dividendendepot kommt eine zweite Ebene dazu, das Einkommen. Wenn du von deinen Dividenden leben oder mit ihnen planen willst, ist nicht der Kurssturz das Problem, sondern die Kürzung, die mehrere deiner Zahler gleichzeitig trifft.
Eine Aktie liefert einen großen Teil deiner Dividenden
Mehrere Aktien hängen am selben Geschäft und kürzen gemeinsam
Ein Staat, eine Aufsicht oder eine Währung trifft alle auf einmal
Am Einkommen messen, nicht am Depotwert
Die meisten Depotübersichten zeigen Anteile am Depotwert. Für ein Dividendendepot ist das die falsche Brille. Stell dir zehn gleich große Positionen vor, neun mit 3 % Rendite und eine mit 8 %. Am Depotwert hat jede 10 %. Am Einkommen trägt die eine Hochrendite-Aktie aber 22,9 % bei, fast ein Viertel. Kürzt sie ihre Dividende, spürst du das mehr als doppelt so stark, wie die Depotübersicht vermuten lässt.
Was eine einzelne Kürzung kostet, hängt dann nur noch von der Zahl der gleich gewichteten Zahler ab:
- 5 Dividendenzahlerjeder trägt 20 % zum Einkommen bei−10 %
- 10 Dividendenzahlerjeder trägt 10 % zum Einkommen bei−5 %
- 20 Dividendenzahlerjeder trägt 5 % zum Einkommen bei−2,5 %
- 30 Dividendenzahlerjeder trägt 3,3 % zum Einkommen bei−1,7 %
Ab etwa 20 Zahlern ist eine einzelne Kürzung ärgerlich, aber verkraftbar. Die Depot-Analyse von Dividenden.com markiert deshalb jede Aktie, die mehr als 10 % zum Depot beiträgt. Die viel größere Gefahr sind aber nicht Einzelfälle, sondern Kürzungen, die gleichzeitig kommen.
Kürzungen kommen in Wellen
Für die Auswertung haben wir für jede Aktie in unserer Datenbank die laufende Dividende zum Jahresende mit der des Vorjahres verglichen, von 2006 bis 2025, zusammen 25.444 Aktien-Jahre. Als Kürzung zählt ein Rückgang um mindestens 20 % oder eine gestrichene Dividende. Das Raster zeigt, wie viel Prozent der Zahler einer Branche in welchem Jahr gekürzt haben:
| ’06 | ’07 | ’08 | ’09 | ’10 | ’11 | ’12 | ’13 | ’14 | ’15 | ’16 | ’17 | ’18 | ’19 | ’20 | ’21 | ’22 | ’23 | ’24 | ’25 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Alle Aktien | 4 | 5 | 11 | 26 | 7 | 6 | 6 | 11 | 5 | 7 | 7 | 4 | 5 | 5 | 22 | 8 | 5 | 6 | 5 | 5 |
| Zyklischer Konsum | 4 | 4 | 16 | 30 | 4 | 7 | 2 | 10 | 3 | 4 | 3 | 1 | 2 | 6 | 46 | 17 | 5 | 8 | 4 | 8 |
| Energie | 2 | 4 | 6 | 17 | 11 | 4 | 4 | 13 | 2 | 14 | 30 | 3 | 6 | 8 | 46 | 12 | 3 | 9 | 11 | 7 |
| Immobilien (REITs) | 3 | 4 | 21 | 45 | 6 | 6 | 10 | 10 | 3 | 4 | 6 | 4 | 3 | 3 | 29 | 12 | 5 | 12 | 7 | 10 |
| Finanzen | 5 | 5 | 16 | 43 | 8 | 7 | 8 | 11 | 5 | 6 | 4 | 4 | 6 | 5 | 19 | 5 | 8 | 5 | 2 | 3 |
| Technologie | 3 | 2 | 12 | 29 | 8 | 5 | 12 | 11 | 3 | 10 | 8 | 6 | 4 | 4 | 12 | 7 | 3 | 2 | 5 | 2 |
| Rohstoffe | 8 | 4 | 10 | 25 | 11 | 4 | 5 | 14 | 7 | 9 | 8 | 3 | 5 | 6 | 16 | 2 | 9 | 7 | 14 | 11 |
| Industrie | 4 | 5 | 6 | 17 | 11 | 9 | 5 | 13 | 8 | 6 | 6 | 6 | 5 | 4 | 23 | 7 | 3 | 5 | 3 | 1 |
| Kommunikation | 3 | 3 | 19 | 17 | 3 | 5 | 7 | 16 | 7 | 2 | 7 | 10 | 8 | 10 | 20 | 13 | 2 | 6 | 5 | 7 |
| Basiskonsumgüter | 4 | 5 | 5 | 5 | 2 | 6 | 3 | 18 | 3 | 10 | 12 | 1 | 6 | 5 | 11 | 5 | 4 | 5 | 5 | 8 |
| Gesundheit | 2 | 5 | 6 | 13 | 2 | 5 | 2 | 3 | 0 | 5 | 1 | 1 | 1 | 1 | 8 | 4 | 4 | 1 | 8 | 5 |
| Versorger | 0 | 10 | 4 | 8 | 7 | 3 | 9 | 6 | 6 | 5 | 2 | 6 | 3 | 4 | 4 | 2 | 4 | 1 | 4 | 3 |
In normalen Jahren kürzen meist 4 bis 7 % aller Zahler. Dann kommen die roten Spalten: 25,6 % im Jahr 2009 und 21,8 % im Jahr 2020. Und selbst dann ist das Rot nicht gleich verteilt. 2009 traf es vor allem Finanzwerte und Immobilien, 2020 Energie und zyklischen Konsum, dazwischen 2016 die Energiebranche nach dem Ölpreisverfall ganz allein. Wer in diesen Branchen gebündelt war, erlebte eine ganz andere Krise als der Durchschnitt.
Das schlimmste Jahr je Branche
Das Raster zählt Kürzungen. Für dein Einkommen zählt, um wie viel die Dividenden insgesamt gesunken sind, Erhöhungen anderer Zahler eingerechnet. So viel Einkommen verlor ein gleich gewichteter Korb jeder Branche in ihrem schlimmsten Jahr:
- Finanzen2009, 42,6 % der Zahler kürzten−28,6 %
- Zyklischer Konsum2020, 46,3 % der Zahler kürzten−25,2 %
- Energie2020, 46,2 % der Zahler kürzten−25,1 %
- Immobilien (REITs)2009, 44,9 % der Zahler kürzten−23,9 %
- Technologie2009, 29,4 % der Zahler kürzten−11,1 %
- Rohstoffe2009, 25 % der Zahler kürzten−10,7 %
- Industrie2020, 22,6 % der Zahler kürzten−9,2 %
- Kommunikation2009, 16,7 % der Zahler kürzten−8,4 %
- Basiskonsumgüter2016, 12,2 % der Zahler kürzten−2,9 %
- Gesundheit2020, 7,5 % der Zahler kürzten−0,6 %
- Versorger2007, 10,3 % der Zahler kürzten+1,6 %
Die Spannweite ist enorm. Finanzwerte verloren 2009 28,6 % ihres Dividendeneinkommens, fast die Hälfte der Zahler kürzte. Energie traf es gleich zweimal, 2016 und 2020. Am anderen Ende stehen Versorger, deren schlimmstes Jahr (2007) immer noch ein Plus von 1,6 % brachte, Gesundheit mit −0,6 % (2020) und Basiskonsum mit −2,9 % (2016).
Was das für ein Depot heißt, zeigt eine einfache Rechnung. Ein Depot, das zu 40 % aus Finanzwerten bestand und sonst dem Markt glich, verlor 2009 rund 18,6 % seines Einkommens. Mit 10 % Finanzwerten waren es 13,6 %. Derselbe Markt, dieselbe Krise, aber ein ganz anderes Jahr für den Anleger.
Auch Länder sind Klumpen
Dasselbe Bild zeigt sich zwischen Ländern. 2020 forderten die Europäische Zentralbank und die britische Bankenaufsicht die Banken auf, ihre Dividenden auszusetzen. Viele andere Unternehmen folgten, weil ihre Geschäfte im Lockdown stillstanden. Das schlimmste Jahr je Land:
- Italien2009, 64,7 % der Zahler kürzten−45,5 %
- Frankreich2020, 56,5 % der Zahler kürzten−31,7 %
- Großbritannien2020, 45,5 % der Zahler kürzten−29,4 %
- Japan2009, 49,2 % der Zahler kürzten−25,9 %
- Australien2020, 55,6 % der Zahler kürzten−25,8 %
- Deutschland2020, 31,9 % der Zahler kürzten−21,5 %
- Hongkong2009, 33,3 % der Zahler kürzten−18,4 %
- USA2009, 22,2 % der Zahler kürzten−11,9 %
- Schweiz2020, 18,9 % der Zahler kürzten−4,9 %
- Kanada2009, 7,7 % der Zahler kürzten+0,5 %
Italien, Frankreich und Großbritannien verloren in einem einzigen Jahr knapp ein Drittel bis fast die Hälfte ihres Dividendeneinkommens. Kanada dagegen kam in seinem schlimmsten Jahr (2009) auf +0,5 %. Ein Depot aus britischen Aktien, die man wegen der fehlenden Quellensteuer gern kauft, hatte 2020 also ein ganz anderes Jahr als ein gemischtes. Die Länderzahlen beruhen allerdings auf 15 bis 80 Unternehmen je Land und schwanken deshalb stärker als die der USA.
Die Falle der Renditeliste
Wie entstehen Klumpen? Oft ganz harmlos: Man sortiert eine Liste nach Dividendenrendite und kauft von oben. Das Problem ist, dass hohe Renditen nicht gleich über die Branchen verteilt sind. So sieht es heute aus, für die 50 renditestärksten Aktien ab 2 Mrd. € Börsenwert in unserer Datenbank (ab 7,5 % Rendite):
Allein die Branche Finanzen stellt 40 % der Spitze, obwohl die Branche nur 22 % aller Dividendenaktien ausmacht. Die drei häufigsten Branchen kommen zusammen auf 70 %. Wer nur nach Rendite kauft, baut sich also fast zwangsläufig einen Branchenklumpen, und zwar meist in genau den Branchen, die in Krisen gemeinsam kürzen. Wie du eine einzelne hohe Rendite prüfst, steht im Artikel Renditefalle erkennen.
Klumpen auflösen in fünf Schritten
Einkommen statt Depotwert messen
Die Krisenbranchen zusammenzählen
Stabile Branchen als Anker
Mit neuem Geld umschichten, nicht mit Verkäufen
Länder mischen, Quellensteuer mitrechnen
Häufige Fragen zum Klumpenrisiko
Wie viele Aktien braucht ein Dividendendepot?
Ab wann ist eine einzelne Aktie ein Klumpen?
Welche Branchen haben in Krisen am wenigsten gekürzt?
Löst ein Dividenden-ETF das Klumpenrisiko?

Ringo Dühmke investiert seit 2001 an der Börse und konzentriert sich seit 2014 auf Dividendenaktien. Im Mittelpunkt seiner Strategie stehen solide Geschäftsmodelle, attraktive Bewertungen und verlässliche Ausschüttungen. Mit seiner Erfahrung aus über 25 Jahren Unternehmertum hat er mit Dividenden.com die Plattform entwickelt, die er sich als Anleger selbst gewünscht hat: Daten, Analysen und Werkzeuge für den langfristigen Aufbau eines Dividendendepots.
So rechnet Dividenden.com