Die Quellensteuer behält das Land ein, in dem das Unternehmen seinen Sitz hat, bevor die Dividende bei dir ankommt: die USA 15 % (mit W-8BEN), die Schweiz 35 %, Frankreich 12,8 %, Großbritannien nichts. Deutschland rechnet davon bis zu 15 % auf deine Abgeltungsteuer an. Bis 15 % kostet dich die Quellensteuer also nichts extra. Was darüber liegt, ist verloren, solange du es nicht per Antrag im Ausland zurückholst. Bei der Schweiz sind das 20 Prozentpunkte, also 200 € je 1.000 € Dividende.
Mit diesem Artikel beginnt der Lesepfad „Ich habe schon ein Depot“. Wer die ersten ausländischen Dividenden bekommen hat, kennt den Moment: Auf der Abrechnung steht weniger, als die Rendite versprochen hat, und dazwischen eine Zeile „Quellensteuer“. Hier siehst du, woher sie kommt, welches Land wie viel nimmt, und wann sich der Antrag auf Erstattung für dich lohnt.
Was die Quellensteuer ist
Jedes Land will an den Dividenden seiner Unternehmen mitverdienen, auch wenn die Aktionäre im Ausland wohnen. Deshalb behält es einen Teil direkt an der Quelle ein, also bevor das Geld das Land verlässt. Das ist die Quellensteuer. Du musst dafür nichts tun, und du kannst es auch nicht verhindern: Deine Bank bekommt schon den gekürzten Betrag gutgeschrieben.
Danach will auch Deutschland seinen Anteil, die Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 % (ohne Kirchensteuer). Damit du nicht doppelt zahlst, haben Deutschland und die meisten Länder Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen. Sie legen fest, wie viel das Ausland höchstens behalten darf und dass Deutschland diesen Teil auf seine eigene Steuer anrechnet.
Behält der Sitzstaat des Unternehmens sofort bei der Ausschüttung ein
Deutschland zieht bis zu 15 % davon von deiner Abgeltungsteuer ab
Was über 15 % hinausgeht, gibt es nur per Antrag im Ausland zurück
Maßgeblich ist der Sitz des Unternehmens, nicht die Börse, an der du kaufst. Nestlé bleibt ein Schweizer Unternehmen, auch wenn du die Aktie in Frankfurt oder über Tradegate kaufst. Auf jeder Profilseite von Dividenden.com steht in der Zeile „Quellensteuer“, welcher Satz für die Aktie gilt und wie viel davon anrechenbar ist.
Warum 15 % die entscheidende Grenze sind
Die Anrechnung ist der Punkt, den viele übersehen. Nimm 1.000 € Dividende aus den USA: 150 € behält der amerikanische Fiskus ein. Deutschland würde 263,75 € verlangen, zieht die 150 € aber von seiner Kapitalertragsteuer (250 €) ab und erhebt den Soli nur auf den Rest: 105,50 €. Am Ende bleiben dir 744,50 €, sogar etwas mehr als bei einer deutschen oder britischen Aktie (736,25 €), weil auf den angerechneten Teil kein Soli fällt. Die amerikanische Quellensteuer hat dich also nichts extra gekostet, sie ist nur an einen anderen Staat gegangen.
Bei der Schweiz sieht es anders aus. Sie behält 35 % ein, angerechnet werden aber nur 15. Die übrigen 20 Prozentpunkte zahlst du zusätzlich, solange du sie nicht zurückforderst. Von 1.000 € bleiben dann 545 €. So sieht das für alle Länder aus, aus denen mindestens fünf Aktien in unserer Datenbank stammen:
Die Grafik zeigt die wichtigste Regel dieses Artikels: Bis zu einer Quellensteuer von 15 % ist das Land für deine Nettodividende egal. Erst darüber wird es teuer, und am teuersten sind ausgerechnet einige der beliebtesten Dividendenländer Europas: die Schweiz und Finnland mit 35 %, Schweden, Belgien und Australien mit 30 %.
Quellensteuer-Tabelle: alle Länder im Überblick
Die Tabelle zeigt für jedes Land den Satz, mit dem Dividenden.com in Depot und Profilseiten rechnet, wie viel davon angerechnet wird, wie viel du zurückholen kannst, und wie viele Dividendenaktien des Landes in unserer Datenbank stehen. Insgesamt sind es 1.713, bei 275 davon (16 %) wird mehr einbehalten, als Deutschland anrechnet.
| Land | Quellensteuer | angerechnet | zurückholbar | Aktien | größter Zahler |
|---|---|---|---|---|---|
| USA | 15 % | 15 % | – | 1.004 | Microsoft |
| Deutschland | 0 % | 0 % | – | 128 | Allianz |
| Großbritannien | 0 % | 0 % | – | 82 | HSBC |
| Kanada | 15 % | 15 % | – | 78 | Royal Bank of Canada |
| Japan | 15,315 % | 15 % | – | 75 | Toyota |
| Schweiz | 35 % | 15 % | 20 % | 38 | Nestlé |
| Hongkong | 0 % | 0 % | – | 31 | China Mobile |
| Kaimaninseln | 0 % | 0 % | – | 26 | Tencent |
| Italien | 26 % | 15 % | 11 % | 24 | Intesa Sanpaolo |
| Frankreich | 12,8 % | 12,8 % | – | 23 | TotalEnergies |
| Spanien | 19 % | 15 % | 4 % | 23 | Inditex |
| Australien | 0 % | 0 % | – | 21 | BHP Group |
| Niederlande | 15 % | 15 % | – | 17 | ING Groep |
| Indien | 20 % | 15 % | 5 % | 14 | Tata Consultancy Services |
| Schweden | 30 % | 15 % | 15 % | 13 | Swedbank |
| China | 10 % | 10 % | – | 12 | ICBC |
| Singapur | 0 % | 0 % | – | 12 | DBS Group |
| Finnland | 35 % | 15 % | 20 % | 11 | Nordea |
| Südkorea | 22 % | 15 % | 7 % | 11 | Samsung Electronics |
| Taiwan | 21 % | 15 % | 6 % | 11 | TSMC |
| Norwegen | 25 % | 15 % | 10 % | 10 | Equinor |
| Bermuda | 0 % | 0 % | – | 8 | CK Infrastructure |
| Dänemark | 27 % | 15 % | 12 % | 8 | Novo Nordisk |
| Belgien | 30 % | 15 % | 15 % | 6 | Anheuser-Busch InBev |
| Irland | 25 % | 15 % | 10 % | 6 | Accenture |
| Österreich | 27,5 % | 15 % | 12,5 % | 6 | OMV |
| Südafrika | 20 % | 15 % | 5 % | 4 | Gold Fields |
| Portugal | 28 % | 15 % | 13 % | 3 | EDP |
| Brasilien | 15 % | 15 % | – | 2 | Petrobras |
| GRGriechenland | 5 % | 5 % | – | 2 | Jumbo |
| Kasachstan | 15 % | 15 % | – | 1 | Kaspi.kz |
| Neuseeland | 30 % | 15 % | 15 % | 1 | Spark New Zealand |
| Polen | 19 % | 15 % | 4 % | 1 | Polski Koncern Naftowy ORLEN |
| CYZypern | 0 % | 0 % | – | 1 | Frontline |
Nachrechnen mit deiner Dividende
Wähle das Land, trag deine Bruttodividende ein und, falls vorhanden, wie viel von deinem Sparer-Pauschbetrag noch frei ist. Der Rechner zeigt den Weg von brutto zu netto und was du dir zurückholen könntest.
Vereinfachte Schätzung ohne Kirchensteuer, keine Steuerberatung. Rechnet mit denselben Sätzen wie Depot und Profilseiten von Dividenden.com.
Die Falle mit dem Sparer-Pauschbetrag
Stell im Rechner einmal die Schweiz ein, 1.000 € Dividende und 1.000 € freien Pauschbetrag. Ergebnis: Es kommen 650 € an, nicht 1.000 €. Der Pauschbetrag befreit dich nur von der deutschen Steuer. Die Schweiz behält ihre 35 % trotzdem ein, und weil in Deutschland keine Steuer anfällt, gibt es auch nichts, worauf sich die Quellensteuer anrechnen ließe. Selbst die eigentlich anrechenbaren 15 % gehen verloren.
Deine Bank führt dafür einen sogenannten Quellensteuertopf. Dort merkt sie sich nicht verrechnete Quellensteuer und zieht sie von späterer Abgeltungsteuer im selben Jahr ab, sobald dein Pauschbetrag aufgebraucht ist. Bleibt bis zum Jahresende keine deutsche Steuer übrig, verfällt der Rest.
Zu viel einbehalten: So holst du es zurück
Was über den anrechenbaren Satz hinausgeht, gehört dir. Das Doppelbesteuerungsabkommen verspricht dir die Erstattung, aber nur, wenn du sie beim Finanzamt des anderen Landes beantragst. Deine deutsche Bank und dein deutsches Finanzamt holen dieses Geld nicht für dich.
Steuerbescheinigung sammeln
Ansässigkeit bestätigen lassen
Antrag im Quellenstaat stellen
Fristen im Blick behalten
Lohnt sich der Aufwand? Das hängt vom Betrag ab. Mit Schweizer Aktien im Wert von 20.000 € und 3 % Rendite kommen 600 € Dividende im Jahr zusammen, davon sind 120 € zurückholbar. Das ist schon ein Antrag wert, zumal sich mehrere Jahre in einem Antrag bündeln lassen. Bei einer einzelnen dänischen Aktie mit 50 € Dividende sind es dagegen 6 €, dafür füllt kaum jemand ein Formular aus.
Mit deinem Depot bei Dividenden.com musst du das nicht schätzen: Unter „Steuern“ steht je Land und Jahr, wie viel zu viel einbehalten wurde. Erledigte Anträge markierst du dort als erstattet.
Übrigens: Dänemark mit 27 % betrifft mehr Anleger, als man denkt, denn dort sitzt Novo Nordisk. Von jeder Dividende gehen 12 % verloren, wenn du sie nicht zurückforderst.
USA: das Formular W-8BEN
Die USA erheben gesetzlich 30 % Quellensteuer. Auf 15 % sinkt der Satz nur, wenn deine Bank ein Formular W-8BEN von dir hat. Damit bestätigst du, dass du in Deutschland steuerpflichtig bist. Die meisten Broker legen es dir schon bei der Depoteröffnung vor, oft reicht ein Klick.
Das Formular gilt bis zum Ende des dritten Kalenderjahres nach der Unterschrift, danach musst du es erneuern. Fehlt es, fehlen dir bei jeder US-Dividende 15 Prozentpunkte, und die zurückzuholen ist deutlich mühsamer als die Erneuerung. Mit 1.004 Aktien sind die USA das größte Land in unserer Datenbank, hier lohnt der kurze Blick in die Depotunterlagen besonders.
Sonderfälle, die du kennen solltest
- Großbritannien, Hongkong, Singapur: keine Quellensteuer auf Dividenden. Das Geld kommt brutto an, nur die deutsche Steuer fällt an.
- Frankreich: 12,8 % für Privatanleger, also unter der Grenze von 15 % und voll anrechenbar. Eine Erstattung ist nicht nötig.
- Kanada: 15 % für Dividenden gewöhnlicher Aktiengesellschaften. Bei Income Trusts und REITs sind es 25 %, weil ihre Ausschüttungen steuerlich keine Dividenden sind.
- USA, „Return of Capital“: Manche US-Unternehmen weisen Ausschüttungen als Kapitalrückzahlung aus, etwa die Vorzugsaktie SATA von Strive. In den USA ist das keine Dividende, in Deutschland bleibt die Zahlung in der Regel trotzdem voll steuerpflichtig. Warum, steht im Ratgeber zu US-Vorzugsaktien.
- Australien: Auf „gefrankte“ Dividenden, für die das Unternehmen in Australien schon Steuer gezahlt hat, fällt keine Quellensteuer an, auf ungefrankte 30 %. Viele große australische Unternehmen zahlen ganz oder teilweise gefrankt, der tatsächliche Abzug ist dann niedriger als in der Tabelle.
- Irland: 25 % auf Dividenden irischer Aktiengesellschaften, aber nichts auf die Ausschüttungen irischer ETFs. Deshalb sitzen die meisten in Deutschland gehandelten ETFs dort.
- Brasilien: Gewöhnliche Dividenden sind steuerfrei, die „Zinsen auf Eigenkapital“, über die etwa Petrobras einen großen Teil ausschüttet, kosten 15 %.
Und bei ETFs?
Bei einem ETF mit Sitz in Irland oder Luxemburg behält auf die Ausschüttung an dich niemand Quellensteuer ein. Verschwunden ist sie trotzdem nicht: Sie fällt eine Stufe früher an, wenn die Unternehmen im Fonds ihre Dividenden an den ETF zahlen. Für US-Aktien sind das bei einem irischen Fonds 15 %. Diese Steuer siehst du auf keiner Abrechnung, sie mindert still die Rendite des Fonds, und anrechnen kannst du sie nicht.
Als pauschalen Ausgleich dafür sind bei Aktien-ETFs 30 % der Ausschüttung steuerfrei (Teilfreistellung). Im Depot von Dividenden.com rechnen wir ETFs deshalb mit ihrer eigenen Tabelle: Irland, Luxemburg und Deutschland ohne Quellensteuer, die Niederlande mit 15 %, die Schweiz mit 35 %.
Ob der ETF ausschüttet oder die Dividenden wieder anlegt, ändert an dieser Quellensteuer im Fonds nichts. Was die beiden Fondsarten sonst unterscheidet, steht im Artikel Thesaurierend oder ausschüttend?
Was das für dein Depot heißt
Musst du Schweizer oder finnische Aktien meiden? Nein. Du solltest sie nur ehrlich rechnen. Ohne Erstattung bleiben von einer Schweizer Dividende 545 € statt 736 € je 1.000 €. Eine Schweizer Aktie braucht also rund 35 % mehr Rendite, um netto mit einer amerikanischen, deutschen oder britischen Aktie gleichzuziehen.
Auf ein Einkommensziel umgerechnet: Wer 1.000 € netto im Monat aus Schweizer Aktien ohne Erstattung beziehen will, braucht rund 5.600 € mehr Bruttodividende im Jahr. Die ganze Rechnung steht im Artikel 1.000 € Dividende im Monat.
Ein Beispiel mit aktuellen Zahlen: Nestlé, der größte Dividendenzahler der Schweiz, rentiert gerade mit 4,08 %. Netto ohne Erstattung entspricht das einer Aktie aus einem Land bis 15 % Quellensteuer mit 3,02 %. Holst du dir die 20 Punkte zurück, zählt die volle Rendite.
Kein Nachteil, sobald dein Pauschbetrag ausgeschöpft ist
Erstattung beantragen oder die Rendite entsprechend abwerten
Aktien ohne Quellensteuer bringen netto am meisten
Häufige Fragen zur Quellensteuer
Muss ich die Quellensteuer in der Steuererklärung angeben?
Kann ich die Quellensteuer über die deutsche Steuererklärung zurückholen?
Welche Länder erheben keine Quellensteuer auf Dividenden?
Warum bekomme ich bei US-Aktien 30 % abgezogen?

Ringo Dühmke investiert seit 2001 an der Börse und konzentriert sich seit 2014 auf Dividendenaktien. Im Mittelpunkt seiner Strategie stehen solide Geschäftsmodelle, attraktive Bewertungen und verlässliche Ausschüttungen. Mit seiner Erfahrung aus über 25 Jahren Unternehmertum hat er mit Dividenden.com die Plattform entwickelt, die er sich als Anleger selbst gewünscht hat: Daten, Analysen und Werkzeuge für den langfristigen Aufbau eines Dividendendepots.
So rechnet Dividenden.com