Eine US-Vorzugsaktie (Preferred Share) zahlt einen festgelegten Satz auf einen Nennwert, meist 25 oder 100 $, und steht im Rang zwischen Anleihen und Stammaktien. Deine Rendite hängt am Kaufkurs, und in Deutschland versteuerst du die Ausschüttung wie eine Dividende, auch wenn der Emittent von „Return of Capital“ spricht. Kaufen kannst du die meisten Titel nur an NYSE oder Nasdaq, also über einen Broker mit Zugang zu US-Börsen.
Was eine US-Vorzugsaktie ist
In Deutschland denkt man bei Vorzugsaktien an Volkswagen oder Henkel: Aktien ohne Stimmrecht, dafür mit etwas höherer Dividende, die aber genauso am Gewinn hängt. Eine US-Vorzugsaktie funktioniert anders. Sie ist näher an einer Anleihe ohne Laufzeit: Der Emittent legt einen Satz auf einen Nennwert fest, etwa 5 % auf 25 $, und zahlt daraus Jahr für Jahr denselben Betrag, egal ob der Gewinn steigt oder fällt.
Ausgegeben werden sie vor allem von Banken, Versicherern und Immobiliengesellschaften (REITs), weil Vorzugskapital für Aufsicht und Ratingagenturen als Eigenkapital zählt. Seit 2025 nutzen auch Bitcoin-Treasury-Unternehmen wie Strategy und Strive Vorzugsaktien, um Geld für Bitcoin-Käufe einzusammeln, mit Sätzen von 10 bis 13 %.
Reihenfolge bei einer Abwicklung: Wer oben steht, wird zuerst bedient.
Der Rang erklärt die Rendite: Vorzugsaktionäre bekommen mehr als Anleihegläubiger desselben Unternehmens, weil sie im Ernstfall später drankommen und keinen einklagbaren Anspruch auf die Dividende haben. Dafür gehen sie leer aus, wenn das Unternehmen stark wächst: Mehr als den festgelegten Satz gibt es nicht.
Die vier Merkmale, auf die es ankommt
Meist 25 oder 100 $. Darauf bezieht sich der Satz, und diesen Betrag zahlt der Emittent bei einer Kündigung.
Fest (z. B. 4,75 %), variabel (SATA) oder erst fest, dann an einen Referenzzins gekoppelt.
Kumulativ heißt: Ausgefallene Dividenden laufen auf und müssen nachgezahlt werden. Nicht kumulativ: Sie verfallen.
Ab einem Termin darf der Emittent zurückkaufen, meist zum Nennwert (bei SATA jederzeit zu 110 $). Das deckelt den Kurs nach oben.
Bank-Vorzugsaktien sind fast immer nicht kumulativ, weil die Bankenaufsicht nur dann das volle Eigenkapital anerkennt. Bei REITs und den neuen Bitcoin-Titeln ist kumulativ häufiger. Den Unterschied sieht man im Kurs: Die beiden Strategy-Titel STRF und STRD haben denselben Kupon von 10 % und denselben Nennwert, aber STRF ist kumulativ und notiert über 100 $, STRD nicht und notiert rund ein Viertel darunter.
Viele Titel werden nicht direkt, sondern als Depositary Shares gehandelt: Ein gehandelter Anteil verbrieft einen Bruchteil einer Vorzugsaktie, bei Public Storage Series K etwa 1/1.000. Für dich als Anleger macht das keinen Unterschied, Nennwert und Dividende beziehen sich auf den gehandelten Anteil.
Kupon ist nicht Rendite: der Kaufkurs entscheidet
Der Kupon bezieht sich auf den Nennwert, deine Rendite auf den Kaufkurs. Kaufst du eine 5-%-Vorzugsaktie mit 25 $ Nennwert für 20 $, bekommst du 1,25 $ im Jahr, also 6,25 % auf deinen Einsatz. Kaufst du sie für 26 $, sind es 4,81 %, und bei einer Kündigung zu 25 $ verlierst du 1 $ je Anteil. Probier es aus:
- Kündigungspreis (z. B. 25 $)
- Kündigungstermin, ab hier kündbar
- Kurs: steigt, wenn die Zinsen fallen
Fallen die Marktzinsen, steigt der Kurs einer Vorzugsaktie mit festem Kupon. Ab dem Kündigungstermin kann der Emittent sie aber zum Nennwert zurückkaufen und sich billiger neu finanzieren. Deshalb bleibt der Kurs danach meist knapp am Kündigungspreis: Wer darüber kauft, riskiert bei einer Kündigung einen sicheren Verlust.
Die Risiken
Zinsänderung. Eine Vorzugsaktie mit festem Kupon verhält sich wie eine sehr lange Anleihe. Steigen die Marktzinsen, fällt ihr Kurs. Die JPMorgan Series MM mit 4,20 % stammt aus einer Zeit niedriger Zinsen und notiert heute bei rund 16 $ statt 25 $, obwohl JPMorgan jede Dividende gezahlt hat.
Emittent. Die Dividende kommt aus dem Geld des Emittenten, nicht aus einem Gewinnanteil. Bei Strategy und Strive hängt sie an Bitcoin-Beständen und neuem Kapital, nicht an einem laufenden Geschäft. Strive weist selbst darauf hin, dass die Ausschüttungen als Kapitalrückzahlung gelten, also nicht aus Gewinnen stammen. Hohe Sätze sind hier der Preis für dieses Risiko.
Kündigung. Fallen die Zinsen, kündigt der Emittent und finanziert sich billiger neu. Du bekommst den Nennwert zurück und musst zu schlechteren Bedingungen neu anlegen. Wer über dem Kündigungspreis kauft, verliert die Differenz.
Handel und Währung. Viele Titel werden wenig gehandelt, die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs ist dann groß; Aufträge nur mit Limit. Dazu kommt das Dollar-Risiko: Die Dividende ist in Dollar fest, in Euro schwankt sie.
Sechs Beispiele im Vergleich
Die Tabelle zeigt sechs US-Vorzugsaktien mit unterschiedlicher Ausstattung. SATA aktualisieren wir täglich, die übrigen Werte haben den Stand 30.09.2026.
| Titel | Rendite zum Kurs | Kurs | Kupon | Nennwert | Kumulativ | Kündigung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Strive Series A (SATA) SATA · Strive (Bitcoin-Treasury) · täglich | 13,12 % | 99,10 $ | 13,00 % | 100,00 $ | ja | jederzeit zu 110 $ |
| Strategy 10 % Series A „Strife“ STRF · Strategy (Bitcoin-Treasury) · vierteljährlich | 9,63 % | 103,83 $ | 10,00 % | 100,00 $ | ja | kündbar |
| Strategy 10 % Series A „Stride“ STRD · Strategy (Bitcoin-Treasury) · vierteljährlich | 13,70 % | 72,98 $ | 10,00 % | 100,00 $ | nein | kündbar |
| JPMorgan 5,75 % Series DD JPM-PD · JPMorgan Chase (Bank) · vierteljährlich | 6,66 % | 21,59 $ | 5,75 % | 25,00 $ | nein | seit 01.12.2023 |
| JPMorgan 4,20 % Series MM JPM-PM · JPMorgan Chase (Bank) · vierteljährlich | 6,62 % | 15,87 $ | 4,20 % | 25,00 $ | nein | seit 01.09.2026 |
| Public Storage 4,75 % Series K PSA-PK · Public Storage (REIT) · vierteljährlich | 7,22 % | 16,45 $ | 4,75 % | 25,00 $ | ja | seit 20.12.2024 |
Drei Dinge fallen auf. Erstens: Die Bank- und REIT-Titel mit niedrigem Kupon notieren weit unter dem Nennwert, ihre Rendite liegt deshalb bei 6,6 bis 7,2 %, obwohl der Kupon nur 4,20 bis 5,75 % beträgt. Zweitens: STRD zahlt dieselbe Dividende wie STRF, kostet aber rund 30 $ weniger, weil ausgefallene Zahlungen dort verfallen. Drittens: SATA steht mit 13,12 % am höchsten, und der Kurs liegt beim Nennwert, weil Strive den Satz monatlich so anpasst, dass er dort bleibt.
Steuern in Deutschland
Für die Steuer ist eine US-Vorzugsaktie eine normale Aktie: Dividenden und Kursgewinne versteuerst du wie bei jeder anderen Aktie, Verluste landen im Aktientopf. Das gilt auch für Depositary Shares, und tauschst du einen solchen Hinterlegungsschein in die Aktie um, ist das kein Verkauf.
US-Quellensteuer. Auf Dividenden von US-Gesellschaften behalten die USA 15 % ein, wenn deiner Bank das Formular W-8BEN vorliegt, sonst 30 %. Die 15 % werden auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber zur Quellensteuer auf Dividenden.
Zahlt ein US-Unternehmen ohne ausreichende Gewinne aus, weist es die Zahlung als „Return of Capital“ aus, in den USA eine steuerfreie Kapitalrückzahlung. Strive erwartet das für alle SATA-Dividenden.
In Deutschland ist eine solche Zahlung einer Gesellschaft aus einem Nicht-EU-Staat seit dem Jahressteuergesetz 2022 nur dann steuerfrei, wenn die ausschüttende Gesellschaft sie beim Bundeszentralamt für Steuern feststellen lässt (für Nicht-EU-Staaten ab dem Jahr 2023). Ohne diese Feststellung ist sie ein steuerpflichtiger Kapitalertrag. Den Antrag stellt das Unternehmen, nicht du. Rechne deshalb mit der vollen Abgeltungsteuer auf die Ausschüttung, auch wenn der Emittent von „Return of Capital“ spricht.
Stand 30.09.2026, keine Steuerberatung. Quellen: § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG; § 27 Abs. 8 KStG; Bundeszentralamt für Steuern, Seite „Einlagenrückgewähr“; BMF-Schreiben vom 21.04.2022 zu Drittstaatengesellschaften; BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“ vom 14.05.2025, Rz. 68 (Hinterlegungsscheine); BFH, Urteil vom 10.04.2019, I R 15/16.
Kaufen über deutsche Broker
Die meisten US-Vorzugsaktien werden nur an der New York Stock Exchange oder an der Nasdaq gehandelt. Ein Beispiel: In den Handelslisten von Xetra und Börse Frankfurt, die wir täglich für die WKN-Zuordnung auswerten, steht SATA nicht (Stand 30.09.2026). Eine WKN hat sie deshalb auch nicht. Zwei Folgen:
- Du brauchst einen Broker mit Zugang zu US-Börsen. Viele Filialbanken und große Online-Broker bieten Aufträge an NYSE und Nasdaq an, meist gegen ein höheres Entgelt als im deutschen Handel. Broker, die nur über deutsche Handelsplätze handeln, führen solche Titel in der Regel nicht.
- Gesucht wird über die ISIN, nicht über den Namen. Die Kürzel sind nicht einheitlich: Dieselbe JPMorgan-Vorzugsaktie heißt je nach Quelle „JPM-PD“, „JPM.PRD“ oder „JPM PR D“.
Kaufe mit Limit und in US-Handelszeiten (15.30 bis 22.00 Uhr deutscher Zeit). Setz das Limit auf den letzten Kurs oder höchstens wenige Cent darüber, damit du bei wenig gehandelten Titeln nicht die volle Spanne zahlst. Achte darauf, dass deine Bank das Formular W-8BEN hat, sonst werden 30 statt 15 % Quellensteuer einbehalten.
Checkliste vor dem Kauf
- Kumulativ oder nicht? Bei nicht kumulativen Titeln sind ausgefallene Dividenden weg.
- Kündigungstermin und -preis: Liegt dein Kaufkurs darüber, ist der Verlust bei einer Kündigung sicher.
- Emittent: Womit wird die Dividende bezahlt, aus Gewinnen oder aus neuem Kapital?
- Rendite zum Kurs statt Kupon vergleichen, und gegen Anleihen desselben Emittenten.
- Handelsvolumen und Spanne: Nur mit Limit kaufen.
- Steuer: „Return of Capital“ senkt deine deutsche Steuer in der Regel nicht.
- Handelbarkeit: Führt dein Broker US-Börsen? Suche über die ISIN.
Häufige Fragen
Sind US-Vorzugsaktien sicherer als Stammaktien?
Warum notieren viele Bank-Vorzugsaktien unter 25 $?
Was ist der Unterschied zu deutschen Vorzugsaktien wie VW oder Henkel?
Kann ich SATA bei jedem deutschen Broker kaufen?
Muss ich die „Return of Capital“-Anteile selbst in der Steuererklärung angeben?

Ringo Dühmke investiert seit 2001 an der Börse und konzentriert sich seit 2014 auf Dividendenaktien. Im Mittelpunkt seiner Strategie stehen solide Geschäftsmodelle, attraktive Bewertungen und verlässliche Ausschüttungen. Mit seiner Erfahrung aus über 25 Jahren Unternehmertum hat er mit Dividenden.com die Plattform entwickelt, die er sich als Anleger selbst gewünscht hat: Daten, Analysen und Werkzeuge für den langfristigen Aufbau eines Dividendendepots.
So rechnet Dividenden.com